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amorphis - far from the sun


Erscheinungsjahr: 2003
Label: emi
Tracks: 10
Spielzeit: 43:51
Genre: alternative
Subgenre: alternative metal
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Bewertung: 7.5/10

rating

1996 lieferten Amorphis mit "Elegy" in meinen Augen eines der besten Metalalben die je veröffentlicht wurden ab. Das Jahr war generell ein gutes Jahr für den Metal. Man denke nur an "Theli" von Therion, welches die Metalszene entscheidend prägte (und leider Bands wie Nightwish oder Within Temptation möglich machte), "Green" von Forbidden (R.I.P.) oder "The Politcs Of Ecstasy" von Nevermore. Alles gottverdammte Klassiker.

Und all diese Bands, bzw. Alben haben neben ihrem Erscheinungsjahr noch ein Gemeinsamkeit: Keine von den genannten Bands hat es je geschafft, ihre ´96er-Alben zu toppen. Tja.

Immerhin haben es Amorphis sieben Jahre nach "Elegy" geschafft, einen würdigen Nachfolger aufzunehmen. "Far From The Sun" kann sich zwar qualitativ zu keiner Sekunde mit "Elegy" messen, doch es wirkt im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern "Tuonela" und "Am Universum" in sich geschlossen. Die beiden Alben waren zwar insgesamt nicht schlecht, doch man hörte ihnen zu jeder Sekunde die Unsicherheit hat, die Amorphis bei der Suche nach ihrem Stil an den Tag legten. Vor allem "Tuonela" wirkte unfertig, "Am Universum" etwas ungeschickt und wenig kompakt.

Doch jetzt ist alles anders. Die Entwicklung von einer rauen, rabiaten Death Metal-Band zu einer psychedelischen, von den Siebzigern beeinflussten Rockband mit eingängigen Songs ist abgeschlossen. Und das immerhin gute 13 Jahre nach Bandgründung. Es war Zeit endlich anzukommen. Mit "Far From The Sun" wird alles besser.

Dieses Album beschränkt sich nur auf das Nötigste. Keine Spielereien, keine großartigen Experimente, keine Ausflüge - einfach nur zehn wunderbare Songs, die man sich immer wieder gerne anhört. Vor allem, wenn die Sonne scheint. Trotzdem: Der Titel ist wunderbar gewählt. Denn "Far From The Sun" ist ein typisches Melancholie-Sommeralbum. Wenn man einfach nicht wahrhaben will, dass es einem gut geht. Wenn man morgens aufsteht und keinen Bock hat sich einzugestehen, dass dies der schönste Tag deines Lebens werden könnte. Für solche Momente ist dieses Album ideal.

Den Ballast den "Am Universum" noch mit rumschleppte, haben Amorphis endgültig über Bord geworfen. Der Opener "Days Of Your Beliefs" klingt wie die Perfektion des Singletracks "Alone" vom letzten Album. Für einen Song wie "Planetary Misfortune" hätten sich Amorphis früher sicherlich ein Ei abgeschnitten, jetzt geht ihnen derartiges Songwriting ganz leicht von der Hand. "Evil Inside" spielt ein wenig mit stilistischer Abwechslung, doch diese wirkt niemals gezwungen oder aufgesetzt, wie z.B. die Stoner Rock-Eskapaden von "Tuonela".

Auch wenn härtere Songs wie "Killing Goodness" oder "Higher Ground" klare Ohrwürmer sind, so liegen die Stärken von Amorphis heutzutage ganz klar in den ruhigen, schönen Songs. Gleich drei an der Zahl gibt es auf "Far From The Sun" zu bestaunen, einer besser als der andere. Zum einen wäre da der Titeltrack, ein wunderschöner "Ich-geh-jetzt"-Song: Breitwand-Hammondorgel (seit "Elegy" unverzichtbarer Bestandteil des Bandsounds), ein göttlicher Refrain, getragen von der beschwörenden Stimme von Sänger Pasi.
"God Of Deception" ist einer der tiefsten und intensivsten Songs, die Amorphis je aufgenommen haben. Wäre auch auf "Elegy" ein absolutes Highlight gewesen. Zum Heulen. Wirklich. Vor allem als die Band am Schluss immer dicker aufträgt und den Song dann langsam ausfaden lässt. Was für ein Klotz! Wow. Immer wieder beeindruckend. Dann wäre da noch der Abschlusstrack "Smithereens". Eine leicht pathetische Halbballade, die eine mehr als deutliche Verbeugung vor Pink Floyd darstellt. Besonders das David Gilmour-mäßige Gitarrensolo am Ende des Songs. Das nenn ich Feeling.

Ach, und: In "Ethereal Solitude" haben Amorphis sogar ´nen Reggae-Rhythmus eingebaut. Ohne, dass es groß aufällt. Ha. Absolut treffsicher. Wäre auf "Am Universum" oder gar "Tuonela" gnadenlos schiefgegangen.

Amorphis haben sich also gefangen und können sieben Jahre nach ihren Glanzzeiten wieder qualitativ hochwertige Alben abliefern. Zumal die depressiv-lustigen Finnen inzwischen bei Virgin unter Vertrag stehen und aus ihrem wenig lukrativen Deal mit Relapse Records freigekommen sind. Wenn die Zeichen jetzt nicht auf Sturm stehen, wann dann?

25.03.2005
hlmr


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!