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akercocke - choronzon


Erscheinungsjahr: 2003
Label: earache
Tracks: 12
Spielzeit: 54:46
Genre: Metal
Subgenre: Black Metal
akercocke.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Akercocke sind das wahre Böse.

Im Gegensatz zu den schwarz-weiß angepinselten Pandabären aus Norwegen oder sonst woher, die so tun wie wenn sie Satanisten wären und dabei auch noch denken sie wären ultraevil, sind Akercocke wirklich böse. Akercocke haben völlig durchschaut, was am Satanismus und dem passenden Soundtrack so beängstigend ist und liefern ihre eigne Interpretation von Black Metal ab, bei welcher sich Pseudos in die Hosen scheißen.

Erstmal: Akercocke sind englische Gentlemen. Durch und durch. Sie trinken pünktlich ihren Tee, benutzen goldene Taschenuhren als Chronographen, fahren BMW, tragen gerne maßgeschneiderte Anzüge (mit denen sie auch auftreten), sind überaus gebildet und träumen nachts wohl von einem Endorsement-Deal mit After Eight.

Außerdem bemühen sich Akercocke darum, den Satanismus nicht als bloßes Stilmittel der Rebellion, wie ihn die meisten Black Metal-Bands benutzen, sondern wirklich als tiefergehende Religion mit Sektentouch zu verwenden, was vorzüglich gelingt. Jedenfalls nimmt man Leuten wie Sänger/Gitarrist Mr. Mendonca den praktizierenden, überzeugten Satanisten eher ab, als Dumpfbacken wie Akhenaten von Judas Iscariot. Akercocke haben etwas altmodisches, okkultes an sich und genau das macht sie bedrohlich. Unberechenbar. Mystisch. Aber auch sympathisch. Irgendwelche verbalen Ausfälle, wie sie sich Black Metaller in Interviews gerne leisten, sucht man hier vergeblich. Akercocke sind eben Gentlemen.

"Choronzon" ist nach "Rape Of The Bastard Nazarene" und "Goat Of Mendes" schon das dritte Album der Engländer - und auch mit Abstand ihr Bestes. Dieses Album hat alles, was die schon starken Vorgänger schemenhaft andeuteten.

Ich bin zwar kein Freund von normalem Black Metal, doch Akercocke machen Black Metal mit dem gewissen Etwas. Zu den Zutaten gehören: viel Death Metal, grindiges Gekloppe, wunderschöne Melodien, die nichts mit der Standard-Melodik des Black Metals zu tun hat (sprich: nicht eisig, sondern erdig), überaus progressive Elemente, dissonante Abfahrten à la Voivod. Die Musik hat allerdings nichts mit Black Metal-Avantgardisten wie Arcturus oder Borknagar zu tun, sondern klingt völlig eigenständig und würde sowieso eher zu einem Label wie Relapse Records, bzw. generell nach Amerika passen.

Mr. Gray ist ein überaus talentierter Schlagzeuger, der nicht nur rasend schnell spielen kann, sondern sich auch originelle Breaks ausgedacht hat, die die Songs würzen, aber nie unübersichtlich machen. Es ist eine wahre Freude ihm beim Kloppen zuzuhören. Mr. Mendonca kann nicht nur Grunzen wie George "Corpsegrinder" Fisher, kreischen wie Dani Filth, sondern auch richtig gut singen, was dem Akercocke-Sound weitere Dimensionen verleiht. Für die richtige Atmosphäre sorgt Mr. Bonsoir am Keyboard, der neben schönen Soundteppichen auch immer wieder passende Interludes ("Upon Coriaceous Wings"), Samples und Loops aus seinem Klangkasten zaubert. Doch auch Mr. Scanlan (Gitarre) und Mr. Theobalds (Bass) tragen natürlich wesentlich zum Gelingen von Alben wie "Choronzon" bei.

Das Album ist in seine Schlüsselsongs eingebettet. Die überlangen "Praise The Name of Satan" und "Leviathan" machen den Anfang, das grandiose, majestätische "Becoming The Adversary" den Schluss. Alles Stücke, die nicht nur vor Ideenreichtum strotzen, sondern auch atmosphärisch Akzente setzen. So stelle ich mir wirklich bösen Black Metal vor. "Son Of Morning" ist wohl der ungewöhnlichste Track des Albums. Der Anfang erinnert mehr an Bands wie In The Woods... als an artverwandtere Truppen wie Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth. Zwischendurch schaffen es Akercocke trotz rasendschnellen Blastbeats sphärisch und schön zu klingen. Großes Kino. Als Anspieltipp würde ich "Scapegoat" empfehlen, weil der Song die Essenz von Akercocke ohne großen Firlefanz auf den Punkt bringt und nebenbei noch mit einem tollen Riff gesegnet wurde.

Natürlich fanden sich auch schon auf den ersten beiden Akercocke-Scheiben die ein oder andere Perle, aber so richtig genießen konnte man diese aufgrund der schwachen Produktionen weniger. Dieser Schönheitsfehler wurde jetzt ausgebessert: Mit Neil Kernon (Nevermore, Queensryche, Cannibal Corpse, etc.) ließ man endlich einen Profi hinters Mischpult, anstatt diese Arbeit selbst zu erledigen. Der Sound auf "Choronzon" ist sauber, druckvoll, schön transparent und wirkt trotz den zahlreichen vollgekleisterten Spuren niemals überladen. Kunststück.

Mit "Choronzon" haben Akercocke ihre Diplomarbeit abgelegt und haushoch bestanden. Wunderbar. Wer auf originelle, harte Musik steht, der sollte hier unbedingt mal ein Ohr und seine Seele riskieren


Ähnlich:
Dimmu Borgir, Cradle of filth, Morbid Angel, Voivod, In the woods

14.03.2005
hlmr


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Letzte Kommentare

  • kasse4: pflichte bei - sehr, sehr schönes Album und dass Elephant nach Pearl Jam klingt: Na und :) Es gibt schlimmeres, zum Beispiel nach Staind klingen :)
  • toastn: Immer noch eines meiner liebsten Alben. Sehr viele Sounds und Ideen verarbeitet. Nicht zuletzt Erinnerungen an die Heimat und die Neunziger in HB. Big up Saprize. Danke für die schöne Zeit...
  • lwith: einfach nur kult ein album für die ewigkeit
  • Jens Schröder: Die schlechteste Kritik über die Lebenstrip-CD, die ich je gelesen habe. Dem Rezensenten fehlt jegliches Gespür für Musik. Das ist pseudo-elitärer Dünnschiss!!
  • Torn Fan: Die Musik ist gut... nicht nur gut sie ist richtig geil! Diese Kurzkritik hat nichts mit Musikverstand sondern eher mit Geschmack zu tun.