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a hundred times beloved - zero


Erscheinungsjahr: 2004
Label: Schöner Rocken Records
Tracks: 10
Spielzeit: 33:07
Genre: Alternative
Subgenre: Silence
ahundredtimesbeloved.jpg
Bewertung: 7/10

rating

"this is not the answer, but just feel..."

Es wäre ein schöner Prolog für einen wunderbar stillen, tiefgehenden, philosophischen und epischen skandinavischen Film. Aber ich will nicht auf die sich anbietende Soundtrackreview-Schiene abdriften für dieses wunderbar stille, ja, stellenweise tiefgehende und epische, in Deutschland erdachte und interpretierte Werk.
Sieht man von ein paar Pianoklängen auf "today we make peace..." ab, ist "zero" einzig und allein von Felix Neumann erwirkt. Zu viele Köche verderben den Brei, sagt man. Hier hätte dieses abgeschmackte Sprichwort wahrscheinlich zugetroffen. Nicht eine Note fehlt, höchstens eine weitere Reduktion hätte "zero" gut getan: Das elektronische Schlagzeug stört die raumgreifenden Klänge der Gitarren, der Samples und der leise zirpenden (wohl elektronisch generierten) Streicher von Zeit zu Zeit, höre "it could be sweet" oder "i hope you've found...".

Der akustische Prolog auf "zero" ist mit "the big bang" benannt. Nicht, dass man einen solchen erwarten müsste. Aber er kommt, wenn auch etwas verhalten. Gleichzeitig überleitend in den wirklich fantastischen "memorial song". Filigrane Gitarrenfiguren steigen von nebligem Boden auf, die Percussion schabt irgendwo am unsichtbaren Boden entlang, bevor alles in Orgelklängen ertrinkt, die sich ihrerseits unheimlich warmen und umfassenden Streicherklängen ergeben. Alles, was ein Gedächtnis so hergibt.
Überflüssig zu sagen, dass es stilistisch verwandt und nahezu ähnlich gelungen weitergeht (bis auf oben genannten etwas störenden Drumcomputer). Hier standen große Klangkünstler Pate; Godspeed you! black emperor und deren Derivate seien zusammengefasst genannt, die Ulver-Silence Phase kommt mir in den Sinn und über all diesen schweben - nach wie vor naturgemäß unerreicht - die Kompositionen Steve Reichs und Phillip Glass' als überwältigende, beispiellose Blaupausen der leisen, minimalistischen Musikwelten.
Die Klasse all dieser wird zwar von a hundred times beloved (noch) nicht erreicht, aber bis auf die schwächelnde Mitte des Albums ist sie gar nicht so weit davon entfernt.

Verwirrend indes die Songtitel. Beim Durchlesen der Tracklist dachte ich an eine Kollaboration von Radiohead und den musikalisch nun wirklich ganz entgegengesetzt stehenden U2. Auszug: "Heartland", "i hope you've found what you've been looking for", "today we make peace with all our desires", "machine intelligence pt. 1/2", finally there's a single ray of hope" (das sich ironischerweise als eines der düstersten Songs auf "zero" entpuppt). Zuordnung bleibt dem Leser überlassen.
Davon abgesehen ist und bleibt "zero" auch auf Dauer ein homogenes und gegen Abnutzung weitgehend resistentes Stück Musik. Was bereits am wunderbar zur Musik passenden Cover ablesbar ist. Die graue Feder fällt langsam und zeitlos auf den wolkigen, schwarzweißen Grund. Das Fallen ist wie eine optische Untermalung der Musik von "zero". Zusammen mit dem Zitat zu Anfang des Textes beschreibt das wohl am besten die Musik von a hundred times beloved.

www.ahundredtimesbeloved.de

p.s. Nächstes Mal vielleicht ein anderes Presswerk? Mein CD-Spieler ächzte unter der Last der schlecht gebrannten CD... Oder war das gar Absicht?


Ähnlich:
Mogwai, Godspeed you! Black Emperor, Sigur Ros, Radiohead, Fly Pan Am, Ostinato, Radiohead, A silver mt. zion, tortoise

13.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!